Athena gegen Diktatur

Athena gegen Diktatur

November 1973

A: Athena

N: Nachbarin

M: Mama

P: Papa

 

Die kleine Athena spielt im Hinterhof. „Pssssssst!“ Was war das? Athena schaut sich um. Nichts! Sie spielt weiter. „Psssssssssssssst! Hey!“ Athena schaut nach oben. Die Nachbarin im Obergeschoß, steht am Fenster.

A: Was ist los?

Die Nachbarin führt ihren Finger vor dem Mund. Dies bedeutet, die Athena soll leise sein. N: Komm näher. Sage deine Mama, sie soll rauskommen.

Athena rennt ins Haus und ruft ihre Mama. Die Mama kommt. M: Was ist los? N:Sei nicht laut!

Die Nachbarin hat vom Fenster aus den Überblick. Sie kontrolliert die hintere Straße. Keiner ist da, keiner sieht sie. N: Schnell, schalte das Radio ein, aber leise!

Die Nachbarin erklärt schnell was los ist und sie verschwindet in die Wohnung. Die Mama geht in die Küche. Dort steht immer das Radio, die Mama braucht es, es ist ihre Gesellschaft. Sie dreht den Knopf immer wieder. Dann sagt sie, Athena soll ruhig sein, damit Mama alles hören kann. Die Athena geht wieder zum Hof hinaus. Die Nachbarin steht wieder am Fenster. Die Mama kommt. Sie reden kurz, leise, sie lächeln, sie freuen sich. A: Mama, was ist los? M: Ruhe, gehe ins Haus.

Die Athena geht ins Haus. Die Mama folgt. A: Mama, sage mir, was ist passiert? M: Die Studenten in Athen protestieren. A: Warum? M: Sie wollen keine Diktatur mehr. A: Der Onkel sagt, die Jugend muss gehorchen. M: Ja, wenn die Älteren gerecht sind. Wenn sie schlecht sind, es gibt Proteste. A: Warum? M: Du bist noch zu jung, du kannst es nicht verstehen. A: Doch, sage mir, warum? M: Sie wollen Freiheit. A: Sind sie nicht frei? M: Sie wollen Meinungsfreiheit. Ich werde es dir erklären, wenn du älter bist. Sei jetzt still.

Die Mama stellt sich vor dem Radio und lauscht. Plötzlich ist sie aufgebracht. Sie geht zum Hof. Die Nachbarin erscheint wieder. Sie versuchen mit den Händen zu kommunizieren, beide weinen. M: Komm Athena schnell, wieder ins Haus!

Die Athena und die Mama gehen wieder rein. A: Was ist los? M: Lass mich in Ruh jetzt. A: Sag Mama, was ist los? Wird es Krieg geben? M: Ich weiß nicht was kommt, aber du darfst keine Angst haben. A: Wenn du mir erklärst was passiert, dann habe ich keine Angst. M: Die Panzer sind auf der Straße in Athen. Gegen die Studenten. A: Und warum weinst du? Sie sind keine Kinder. M: Sie könnten meine Kinder sein. Sie sind erst zwanzig. A: Zwanzig ist groß! M: Du denkst es, weil du zu jung bist. Zwanzig ist jung. A: Wären sie ruhig, hätten sie keinen Ärger bekommen! M: Sie sind zwar jung, aber keine Kinder. Diese Studenten sind im Recht. Vergiss es nie, diese Menschen protestieren heute, damit du später in Freiheit leben darfst. Bald wirst du es verstehen, du bist noch jung.

Der Papa kommt. Er schaltet das Radio aus. Die Mama schaltet es wieder ein. P: Bist du verrückt? M: Ich will hören was passiert.

Die beide streiten. Der Papa beschimpft die Studenten. Die Mama beschimpft das Militär und die Polizei. Der Papa droht ihr das Radio wegzunehmen, falls sie es wieder anmacht. Er will wissen wo Athenas Geschwister sind. Er führt ein paar Telefonate und er geht. Die Mama macht das Radio wieder an. Die Mama ist traurig. Die Athena denkt nach. Sie denkt viel über das Problem nach, so sehr, dass sie einen schweren Kopf davon kriegt. Sie rennt zu Mama. A: Mama, ich habe alle Menschen geprüft! Keiner ist gut. Alle sind schlecht, also, keiner ist im Recht! M: Hast du dich selbst auch kontrolliert? A: Nein. M: Tue es!

Athena geht ins Wohnzimmer. Sie prüft sich. Wenn sie ehrlich sein will, sie ist auch nicht perfekt. Das letzte mal, als sie gegen ihren kleinen Bruder kämpfte, sie hatte ihn so kräftig gebissen, das Blut aus seiner Haut floss. Sie denkt viel darüber nach und findet sie etwas schreckliches heraus! Sie rennt wieder zu Mama. A: Mama, schnell wir müssen die Welt retten! M: Geh weg, ich weine gerade und du kommst her und bringst mich zum Lachen. A: Nein Mama, hör bitte zu! Der Onkel sagt, wenn alle Menschen schlecht werden, dann geht die Welt unter. So, steht es in den Schriften. Und ich habe alle Menschen die ich kenne, kontrolliert. Keiner ist gut. Nicht einmal ich! Jetzt wird die Welt untergehen! Tu doch etwas! Wir müssen sie retten!

Die Mama lacht. M: Verrücktes Kind! Dann rette sie. A: Wie denn? M: Werde gut! A: Ok, sage mir was ich tun soll um gut zu werden! M: Als erstes, du sollst deine Schule beenden. Es ist das wichtigste. Dann, du sollst studieren…

Der Papa ist wieder da. Er schreit die Mama an. Sie hat nicht auf ihn gehört. Sie hört wieder Radio. Er beschimpft sie als Kommunistin. Die Mama sagt, sie kann nichts dafür, dass ihr Opa aus Russland kam. Dort sind alle Kommunisten. Aber die Studenten in Athen, sind nicht alle Kommunisten. Sie sind Demokraten, die für ihre Meinungsfreiheit kämpfen, sie haben die Schnauze voll. Junge Menschen, ertragen keine Unterdrückung. Der Papa sagt, wir haben Demokratie. Die Mama sagt, hätten wir Demokratie, würde das Volk wählen dürfen.

Der Papa sagt, sie hat keine Ahnung, sie soll den Mund halten. Die Mama sagt, er sollte sich schämen, das Militär ist auf Studenten losgegangen, es gibt schon Verletzte, wer weiß ob es schon Tote gibt… Er und seine Familie sind Wilde, einerseits sie unterstützen das Regime, obwohl es unmoralisch ist, anderseits sie gehen in die Kirche um anderen vorzutäuschen, sie wären gut. Jetzt ist der Papa sehr wütend. Er geht auf die Mama los. Er schlägt zu! Die Athena springt hoch und klettert auf seinen Rücken. Sie schlägt mit aller Kraft zu, sie schreit und beißt. Der Papa befreit sich und dreht sich zu ihr. Die Mama stellt sich zwischen den beiden. Der Papa schubst die Mama weg und packt die Athena mit beiden Händen am Hals. Er drückt ganz fest. Athena kriegt keine Luft. Sie schaut ihn in die Augen. Er schaut sie ganz böse an und drückt fester. M: Loslassen, oder ich bringe dich um!

Mamas Stimme klingt ganz entschlossen. Der Papa lässt los. Athena dreht sich um. Die Mama hält ein Messer in der Hand. Sie schaut ihn in die Augen. M: Verschwinde, oder du stirbst, ich schwöre!

Der Papa geht. M: Wie geht es dir?

Athena kann nicht reden. Sie macht den Mund auf, aber kommt keine Stimme raus. Die Mama gibt ihr ein Glas Wasser. Athena trinkt. Sie hustet. M: Probiere es wieder. Sag etwas.

Athena versucht wieder zu reden. A: Mama..

Die Mama setzt sich am Tisch. Sie denkt viel nach, die Athena schweigt. M: Hör zu Athena, wenn deine Geschwister kommen, ich werde mit ihnen auch reden, aber dir, werde ich es jetzt sagen. Ab sofort, werden wir nicht über das Thema Diktatur reden. Wenn du gefragt wirst, du wirst schweigen, oder sagen, dass du keine Meinung darüber hast, weil du noch jung bist. Kein Kommentar zur Diktatur, hast du verstanden? Es geht um eure Sicherheit. Wir werden schweigen!

Athena nickt. Ihr ist inzwischen auch klar, Mama sagte ihr die Wahrheit. Die Studenten sind im Recht, die Faschisten sind gemein. Ihr Vater auch.

 

Schuljahr 1982-1983

Athena besucht die Schule in Pelasgia. Dort ist die Linke stark. Manche Schüler versuchen die Athena zu überreden, in die Partei einzutreten. Sie will nicht. Die Schüler wollen wissen, wie Athena über Politik denkt. Sie dachten, sie wäre eine Linke, wie die Familie der Mutter. Athena erklärt warum sie keine Partei mag. Es wird viel übers Thema diskutiert. Die Schüler können Athenas Position nicht verstehen. Sie sind verwirrt. Einer redet über Anarchie. Er hat darüber gelesen. Er sagt, Athena sei eine Anarchistin. Manche stimmen zu. A: Fühlt ihr euch jetzt sicher, weil ihr mich eingeordnet habt? Hey Leute, ich bin die Athena und sonst nichts!

 

Sommer 1982? oder 1983 ?

Athena sitzt am Strand mit Giannis Mpantekas und seinem Freund. Der Freund hat seine Gitarre dabei. Athena hat ihre Mundharmonika geholt, sie kann ein wenig damit spielen, der Bruderfreund ihrer Schwester hat es ihr beigebracht: „Jamaika“.

Der Unterricht dauerte aber nur eine Stunde, Athena hatte ein Buch für Anfänger gekauft, es half ihr aber nicht viel, weil sie keine Ahnung von Musik hat. Sie kann trotzdem spielen, sie hat Ohren dafür. Sie spielt ein Stück vor: „To Yelasto Pedi“. Der Freund von Giannis korrigiert ihre Fehler. Jetzt, sie kann besser spielen, sie freut sich. Gegen eine Uhr Nachts, sie geht. Sie hat eine schlechte Vorahnung, mit Recht. Ein paar Spitzel sind schon vorbeigelaufen, Solchen gibt’s überall. Sie mischen sich im Privatleben anderer Menschen ein. Athena ist fast zu Hause, als die Mutter erscheint. Streit folgt. Die Athena kriegt Ärger, obwohl sie nichts schlimmes getan hat. Athena ist wütend. Sie schreit, damit das ganze Dorf hören kann.

„ Sage den Idioten, die mich bespitzelt haben, ich weiß warum sie es tun, sie werden mich aber trotzdem nie kriegen!“

 

Herbst

Der 17e November wird gefeiert. Daraus ist ein Nationalfeiertag geworden. Athena gehört zu den Schülern die etwas vortragen müssen. Sie haben die freie Wahl. Einen Text lesen, oder singen zum Beispiel. Athena spielt das Stück, das sie im Sommer geübt hat. „To Yelasto Pedi“. 

A: Wie war ich?

Die Freundinnen sagen, sie hat sehr schön gespielt. Eine Freundin sagt, es war schön, aber so traurig! Man dachte, die Mundharmonika weint!

 

 

EINE WAHRE GESCHICHTE

 

Dies ist für alle, die behaupten, am 17en November 1973 es gäbe keine Opfer. Ich sage euch, es gab ein sechsjähriges Kind und wäre seine Mutter nicht mutig, hätte es sein Leben verloren. Man muss nicht als Student protestieren um von der Diktatur gefährdet zu sein. Die Gefahr lauert in den Köpfen aller Fanatiker. Die Namen der Opfer sind vom Staat nicht veröffentlicht worden, weil die Täter noch am Leben sind.

Fazit: Die Faschisten tragen die Maske der Demokratie und dominieren heute noch!  

 

Über mondfee1967

nicht kontrollierbar Ich habe mehr als hundert Blogeinträge veröffentlicht und damit einen "Spiegel" erstellt, in dem man das wahre Gesicht unserer Gesellschaft sehen kann.
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